Pressemitteilung „Bürger für Glückstadt“ zum politischen Sommerinterview 2026
BFG zieht Halbjahresbilanz: Mehr Vertrauen, mehr Beteiligung und endlich Bewegung bei Bahn und Stadtteiltreff Nord
Das erste Halbjahr 2026 war aus Sicht der Bürger für Glückstadt von solider Sacharbeit, guter überfraktioneller Zusammenarbeit, aber auch von spürbarer politischer Ermüdung in Teilen der Bevölkerung geprägt. Die BFG sieht darin einen Auftrag, kommunale Politik noch näher an den Menschen auszurichten und zugleich beharrlich an den großen Zukunftsthemen Glückstadts weiterzuarbeiten.
„Wir merken deutlich, dass viele Menschen der Politik in Berlin und teilweise auch in Kiel immer weniger zutrauen. Das ist für uns vor Ort bitter, aber auch ein Ansporn“, erklärt BFG-Vorsitzende Verena Kniesmeijer-van Leeuwen. „Kommunalpolitik darf sich davon nicht entmutigen lassen. Gerade jetzt müssen wir zeigen, dass Politik konkret, ansprechbar und wirksam sein kann. Vertrauen entsteht nicht durch große Reden, sondern durch verlässliche Arbeit vor Ort.“
Positiv bewertet die BFG insbesondere das weiterhin sachliche Zusammenspiel der Fraktionen in Glückstadt. Trotz unterschiedlicher Auffassungen werde in vielen Fragen konstruktiv miteinander gearbeitet. Themen würden zunehmend in Arbeitsgruppen, Informationsveranstaltungen und Workshops vorbereitet, bevor sie in den Ausschüssen entschieden werden. Auch die Prioritätenliste habe sich weiter als wichtiges Instrument bewährt, um Bauprojekte und städtische Vorhaben nicht nach Lautstärke, sondern nach Dringlichkeit und Machbarkeit zu ordnen.
„Das Zusammenspiel der Fraktionen ist nicht immer konfliktfrei, aber es ist deutlich besser, als es von außen manchmal wirkt“, sagt Dr. Siegfried Hansen, Fraktionsvorsitzender der BFG. „Gerade bei großen Themen hilft es niemandem, wenn jede Fraktion ihre eigene Fahne schwenkt. Glückstadt kommt nur voran, wenn wir bereit sind, auch außerhalb der Sitzungen miteinander zu reden und gemeinsame Linien zu finden.“
Als gelungenes Format hebt die BFG die eigene Postkartenaktion „Hier habt Ihr das Wort“ auf dem Wochenmarkt hervor. Dort sei deutlich geworden, wie wichtig niedrigschwellige Gesprächsangebote seien. Viele Bürgerinnen und Bürger wollten nicht zwingend in Ausschusssitzungen sprechen, hätten aber sehr konkrete Hinweise, Sorgen und Ideen für ihre Stadt.
„Die Gespräche auf dem Markt waren für uns ausgesprochen wertvoll“, betont Jörn Gehrig, Co-Vorsitzender der BFG. „Dort wird nicht theoretisch über Glückstadt gesprochen, sondern ganz praktisch: Wo hakt es? Was fehlt? Was nervt? Und manchmal geht es eben um die kleinen Dinge, die im Alltag den Unterschied machen. Dieses Format werden wir fortsetzen.“
Zu den kleineren, aber sichtbaren Erfolgen zählt die BFG den mähfreien Mai im Stadtpark. Nachdem die Wählergruppe wiederholt auf das Thema hingewiesen hatte, wurden die Wiesen in diesem Jahr tatsächlich im Mai nicht gemäht. Für die BFG ist das mehr als Symbolpolitik.
„Der mähfreie Mai ist ein kleines Beispiel dafür, dass Umwelt- und Klimaschutz nicht immer mit großen Programmen beginnen muss“, so Verena Kniesmeijer-van Leeuwen. „Ungemähte Wiesen helfen Insekten, kühlen die Stadt und werden von vielen Menschen positiv wahrgenommen. Eigentlich müsste es selbstverständlich sein, solche Aspekte mitzudenken. Ist es aber leider noch nicht immer.“
Kritisch sieht die BFG weiterhin die langsame Umsetzung wichtiger Projekte. Besonders Vorhaben, die von Fördermitteln abhängig seien, litten unter langen Entscheidungswegen und unklaren Rückmeldungen. Wenn am Ende keine Förderung bewilligt werde, müssten bereits entwickelte Ideen wieder geschoben oder aufgegeben werden. Dass etwa der Umbau des Wasmer-Palais zugunsten des Fortuna-Bades zurückgestellt werden musste, sei schmerzhaft, aber angesichts der begrenzten finanziellen und personellen Möglichkeiten nachvollziehbar.
Auch beim Stadtteiltreff Nord in möglicher Verbindung mit dem Sozialkaufhaus und der Tafel sieht die BFG weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Es sei viel Vorarbeit geleistet worden, die Umsetzung lasse aber weiter auf sich warten.
„Der Stadtteiltreff Nord darf kein Dauerthema auf Wiedervorlage bleiben“, mahnt Dr. Siegfried Hansen. „Wir reden hier nicht über Luxus, sondern über soziale Infrastruktur, Begegnung und konkrete Unterstützung im Stadtteil. Wenn wir wollen, dass Menschen sich mit ihrer Stadt verbunden fühlen, dann müssen solche Projekte irgendwann auch sichtbar werden.“
Zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit habe aus Sicht der BFG im ersten Halbjahr der Sozialausschuss erhalten. Durch die geringe Zahl an Sitzungen seien soziale Themen weniger präsent gewesen, als es ihrer Bedeutung für Glückstadt entspreche.
„Viele soziale Fragen verschwinden nicht, nur weil der Ausschuss selten tagt“, sagt Jörn Gehrig. „Gerade Themen wie Teilhabe, Begegnung, Unterstützung im Alltag und die Entwicklung in den Stadtteilen müssen wieder stärker auf die Tagesordnung. Kommunalpolitik besteht nicht nur aus Beton, Asphalt und Haushaltszahlen – auch wenn wir ohne die leider nicht weit kommen.“
Für das zweite Halbjahr setzt die BFG drei Schwerpunkte: den weiteren Einsatz für mehr Bahnhalte in Glückstadt, die Fortsetzung der Bürgergespräche auf dem Wochenmarkt sowie den beharrlichen Einsatz für den Stadtteiltreff Nord. Gerade bei der Bahn sei klar, dass die Stadt nur begrenzten direkten Einfluss habe. Trotzdem müsse Glückstadt weiter Druck machen.
„Beim Thema Bahn dürfen wir nicht lockerlassen“, erklärt Dr. Siegfried Hansen. „Glückstadt braucht verlässliche Bahnanbindungen und eine Perspektive für zusätzliche Halte. Natürlich entscheidet das nicht die Stadtvertretung allein. Aber wer kommunale Interessen nicht hartnäckig vertritt, darf sich später nicht wundern, wenn andere über unsere Köpfe hinweg planen.“
Insgesamt bewertet die BFG das erste Halbjahr 2026 mit einer soliden Drei plus. Es sei mehr gelungen, als im politischen Alltag manchmal wahrgenommen werde. Gleichzeitig blieben zu viele Projekte zäh, zu viele Verfahren langwierig und zu wenige Menschen bereit, sich aktiv einzubringen.
„Unsere Demokratie lebt nicht vom Zuschauen“, fasst Verena Kniesmeijer-van Leeuwen zusammen. „Wer etwas verändern will, muss sich einmischen – sachlich, respektvoll und mit langem Atem. Gerade in Zeiten von Hass, Hetze und Politikverdrossenheit braucht es Menschen, die vor Ort Verantwortung übernehmen. Glückstadt ist es wert.“

