Glückstädter Haushalt 2025 beschlossen

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In der letzten Stadtvertretung am 14. Januar 2026 wurde der Glückstädter Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 einstimmig verabschiedet. Hier die Rede des Fraktionsvorsitzenden der Bürger für Glückstadt BFG, Dr. Siegfried Hansen:

Sehr geehrter Herr Bürgervorsteher, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Glückstädterinnen und Glückstädter,
wir beraten und beschließen heute den Haushalt für das Jahr 2026 – und das, erfreulicherweise, deutlich früher als noch vor einem Jahr.

Zu Beginn möchte ich ausdrücklich der Verwaltung danken. Die Haushaltsunterlagen sind belastbar, nachvollziehbar und in einer Qualität aufbereitet, die politische Steuerung überhaupt erst ermöglicht. Mein Dank gilt hier insbesondere Herrn Venner und ausdrücklich Herrn Ehlers. Das ist nicht selbstverständlich – und das sage ich bewusst so deutlich.

Kommen wir zu den Zahlen. Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von rund 6,7 Millionen Euro aus. Das ist keine Zahl, die man wegdiskutieren sollte. Aber es ist auch kein Grund für Alarmismus. Dieses Defizit ist erklärbar, planbar und politisch verantwortet. Oder, um es mit einem kleinen politischen Augenzwinkern zu sagen: weder ein Grund, rot zu sehen, noch permanent schwarz zu malen.
Zur Einordnung gehört auch: Für das Jahr 2025 zeichnet sich ein positives Jahresergebnis von rund 6,9 Millionen Euro ab, das im Wesentlichen auf Gewerbesteuermehreinnahmen zurückzuführen ist. Das ist erfreulich und zeigt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Stadt. Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Diese Mehreinnahmen sind nicht dauerhaft planbar und stellen keinen strukturellen Trend dar. Der Haushalt 2026 ist daher bewusst realistisch und ohne Schönrechnerei aufgestellt.

Denn anders als in manchen früheren Jahren basiert dieser Haushalt nicht auf Hoffnungen oder rechnerischen Kunstgriffen, sondern auf einer nüchternen Einschätzung dessen, was diese Stadt leisten muss – und was sie sich leisten will.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht an der Substanz zu sparen. Wir haben uns ebenso bewusst dagegen entschieden, den Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche Lasten aufzubürden – etwa durch höhere Grundsteuern. Daseinsvorsorge ist keine private Angelegenheit, sondern eine gemeinsame Aufgabe. Und ja: Man darf die Kuh, die man melken will, nicht schlachten. Deshalb erhöhen wir auch für unsere Unternehmen nicht die Gewerbesteuer.

Was diesen Haushalt trägt, ist ein klarer politischer Kompass. Unser haushaltspolitisches Credo als BFG gilt unverändert – und gerade deshalb ist es aktueller denn je:
Investitionen ja. Konsumtive Ausgaben nur so viel wie nötig – und so wenig wie möglich.

Genau diesem Prinzip folgt der vorliegende Haushaltsentwurf. Wir investieren gezielt und verantwortungsvoll:

  • in die Sicherheit unserer Stadt mit der neuen Feuerwache, deren Fertigstellung für 2026 vorgesehen ist,
  • in den Erhalt zentraler Infrastruktur wie dem Fortuna-Bad, dessen Sanierung bewusst über die Stadtwerke erfolgt,
  • in Stadtentwicklung, Wohnen und wirtschaftliche Perspektiven – etwa im Baugebiet Rhinschlot und in der weiteren Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebiets,
  • in das Gründer- und Innovationszentrum Agrobusiness Glückstadt als wichtigen Baustein für Innovation, Wertschöpfung und zukunftsfähige Arbeitsplätze,
  • sowie in sozialen Zusammenhalt und Teilhabe – Stichwort u.a. bezahlbarer Stadtteiltreff Nord
  • und natürlich in eine funktionierende kommunale Verwaltung.

Grundlage all dieser Investitionen ist und bleibt unsere gemeinsam entwickelte Prioritätenliste. Sie ist kein Wunschzettel und kein politisches Feigenblatt, sondern ein echtes Steuerungsinstrument. Sie zwingt uns dazu, Projekte zu ordnen, zu bewerten – und auch auszuhalten, dass nicht alles gleichzeitig geht.

Dass wir diese Prioritätenliste derzeit gemeinsam aktualisieren und weiterentwickeln, ist ein Zeichen politischer Reife. Sie sorgt für Transparenz, Verlässlichkeit und eine klare Richtung – für Verwaltung wie für Politik. Und sie hilft uns, die begrenzten Mittel dort einzusetzen, wo sie für Glückstadt den größten Nutzen entfalten.

Dabei verlieren wir nicht aus dem Blick, dass Investitionen immer auch Folgekosten bedeuten. Umso wichtiger ist es, sie zu priorisieren, zu bündeln und dort anzusetzen, wo sie langfristig Wirkung entfalten.

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist der Stellenplan. Ja, die Personalkosten steigen – vor allem tarifbedingt. Aber: Die Zahl der Planstellen ist gegenüber dem Vorjahr praktisch konstant. Das zeigt, dass Verwaltung und Politik gemeinsam an Effizienz arbeiten, ohne die Leistungsfähigkeit der Stadt zu gefährden. Das ist kein Sparkurs mit der Brechstange, sondern nüchterne, verantwortungsvolle Steuerung.

Auch bei Zukunftsthemen bleiben wir realistisch. Die bisherige OZG-Strategie hat sich – das müssen wir ehrlich sagen – als wenig praxistauglich erwiesen. Zu viele wechselnde Vorgaben von Bund und Land, zu wenig verlässliche Rahmenbedingungen. Wir setzen daher künftig stärker auf passgenaue, funktionierende digitale Lösungen für unsere Verwaltung – nicht auf Symbolpolitik.
Gleichzeitig wissen wir: Dieser Haushalt ist kein Endpunkt. Die kommenden Monate werden geprägt sein von wichtigen Entscheidungen – etwa zur Finanzierung des Tourismus, zu interkommunalen Kooperationen, zur Kita-Finanzierung und zur langfristigen Stabilisierung unserer Einnahmenbasis. Diese Debatten führen wir nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern aus Verantwortung für die kommenden Jahre.

Was diesen Haushalt ebenfalls auszeichnet, ist die Art und Weise, wie er entstanden ist. Er ist das Ergebnis intensiver, konstruktiver Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg. Viele Anträge, viele Fragen, viele Korrekturen – und vieles davon gemeinsam erarbeitet. So entsteht kein Zufallshaushalt, sondern ein politisch getragener Haushaltskompromiss.
Gerade in Zeiten, in denen politische Debatten vielerorts immer schärfer, lauter und polarisierender werden, ist das keine Selbstverständlichkeit. Sachorientierte, verantwortungsvolle Kommunalpolitik ist der beste Schutz davor, dass politische Ränder stärker werden. Dass unsere Stadtvertretung derzeit frei von extremen Kräften ist, ist kein Zufall – sondern auch Ausdruck davon, dass demokratische Fraktionen gemeinsam Verantwortung übernehmen, Probleme lösen und nicht spalten.

In der aktuellen öffentlichen Debatte heißt es oft, wir müssten wieder mehr arbeiten. Für die Politik gilt etwas anderes: Wir müssen nicht mehr arbeiten – wir müssen mehr handeln. Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen und sie dann auch umsetzen. Genau das leistet dieser Haushalt: nicht durch große Worte, sondern durch konkretes, gemeinsames Handeln für Glückstadt.
Für die BFG ist daher klar: Wir stimmen diesem Haushalt zu. Nicht, weil er bequem ist. Nicht, weil er perfekt ist. Sondern weil er ehrlich ist, realistisch – und weil er unserer Stadt die notwendige Handlungsfähigkeit erhält.

Lassen Sie uns diesen Haushalt also als das begreifen, was er ist: eine solide Grundlage, auf der wir weiter aufbauen können – Schritt für Schritt, mit Augenmaß und mit Verantwortung für Glückstadt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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